Firmenkauf finanzieren: 450.000 € mit Bank, 1,29 Mio. ohne

Firmenkauf finanzieren: 450.000 € mit Bank, 1,29 Mio. ohne

Ein Käufer mit rund 400.000 € Eigenkapital will drei inhabergeführte Betriebe in Hessen übernehmen, jeden für etwa 350.000 € bei 100.000 € Jahresgewinn. Mit einer Bank im Rücken braucht er dafür 450.000 €. Ohne Bank braucht er 1.290.000 €. Die 840.000 € dazwischen sind der Preis dafür, keine Kreditakte aufzubauen, und sie entscheiden, ob aus einem Kauf ein Programm wird.

Nichts hier ist Rechts- oder Steuerberatung. Steuerberater und Anwalt entscheiden, bevor etwas bindend wird.

Die Entscheidung

Mit rund 400.000 € kauft man ohne Fremdkapital einen Betrieb und bleibt dann stehen. Mit Fremdkapital kauft man drei und besitzt nach zehn Jahren acht. Die Reihenfolge, die wir für diesen Käufer ansetzen würden: zuerst das Verkäuferdarlehen verhandeln, weil jeder Prozentpunkt auf einem Betrieb für 350.000 € genau 3.500 € eigenes Geld ersetzt. Dann die Bürgschaft ohne Bank der Bürgschaftsbank Hessen beantragen, weil sie die übliche Reihenfolge umkehrt und der Käufer mit einer Bürgschaftszusage in die Bank geht statt mit einer Bitte. Dann den KfW ERP-Förderkredit KMU (365/366) über diese Hausbank, denn die bekanntere Nummer 077 steht nur natürlichen Personen offen, und eine GmbH als Käuferin fällt dort heraus. Wenn die Bürgschaftsbank die 650.000 € als Obergrenze für das gesamte Fremdkapital liest und einen jungen Käufer in die Stufe von 450.000 € einordnet, trägt dieser Aufbau nur Betriebe bis etwa 600.000 € Kaufpreis, und für alles darüber ändert sich die Rechnung.

Achtzehn Wege und ein Ranking

Das Planungsmodell hinter der Zahl im Titel kombiniert drei Kaufformen, drei Fremdkapitalstufen und zwei Cash-Politiken, also achtzehn Wege. Die Formen: ein kleiner Betrieb mit 120.000 € Gewinn zum 3,75-Fachen (450.000 €), ein größerer mit 220.000 € Gewinn zum 4,5-Fachen (990.000 €), oder drei kleine mit je 100.000 € Gewinn zum 3,5-Fachen (je 350.000 €). Gewinn heißt hier durchgehend normalisiertes EBITDA, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, nachdem ein Geschäftsführer zum Marktgehalt bezahlt ist. Jeder Betrieb läuft damit ohne den Käufer.

Die Fremdkapitalstufen: kein Fremdkapital, nur ein Verkäuferdarlehen von 30 % des Kaufpreises, oder der volle Stack aus 20 % Eigenkapital, 30 % Verkäuferdarlehen und bis zu 50 % Bankkredit mit Bürgschaft. Die Cash-Politiken: erst entschulden (jeder freie Euro tilgt, gekauft wird erst wieder bei null Schulden und 100.000 € Reserve) oder erst wachsen (nur die vertragliche Tilgung, der nächste Betrieb wird gekauft, sobald er über einer Reserve von 40.000 € bezahlbar ist). Jeder Weg bekommt das kleinste Kapital, das sein Ziel im ersten Jahr tatsächlich kauft: Kaufpreis plus 5 % Kaufnebenkosten (Notar, Anwalt, Prüfung der Bücher), 25.000 € Integrationsbudget und 20.000 € Betriebsmittel je Betrieb, abzüglich Verkäuferdarlehen und Bankkredit, plus 50.000 € Reserve. Danach kauft jeder Weg weiter, sobald er es sich leisten kann, bis zu acht Betriebe und zwei Käufe pro Jahr, über zehn Jahre.

Rang Form Fremdkapital Cash-Politik Kapital Betriebe Jahr 10 Wert Jahr 10 Vielfaches p. a.
1 Drei kleine Voller Stack Erst wachsen 450.000 € 8 3.639.005 € 8,09x 23,2 %
2 Drei kleine Voller Stack Erst entschulden 450.000 € 6 2.672.866 € 5,94x 19,5 %
3 Ein großer Voller Stack Erst wachsen 345.000 € 2 1.882.845 € 5,46x 18,5 %
4 Ein großer Voller Stack Erst entschulden 345.000 € 1 1.773.921 € 5,14x 17,8 %
5 Drei kleine Verkäuferdarlehen Erst wachsen 975.000 € 8 4.541.329 € 4,66x 16,6 %
6 Ein kleiner Voller Stack Erst entschulden 210.000 € 1 881.072 € 4,20x 15,4 %
7 Ein kleiner Voller Stack Erst wachsen 210.000 € 1 868.736 € 4,14x 15,3 %
8 Drei kleine Verkäuferdarlehen Erst entschulden 975.000 € 7 3.997.994 € 4,10x 15,2 %
9 und 10 Drei kleine Ohne Fremdkapital beide 1.290.000 € 8 4.979.868 € 3,86x 14,5 %
11 Ein großer Verkäuferdarlehen Erst wachsen 840.000 € 2 2.605.212 € 3,10x 12,0 %
12 Ein großer Verkäuferdarlehen Erst entschulden 840.000 € 1 2.463.880 € 2,93x 11,4 %
13 Ein kleiner Verkäuferdarlehen Erst wachsen 435.000 € 2 1.263.363 € 2,90x 11,3 %
14 Ein kleiner Verkäuferdarlehen Erst entschulden 435.000 € 1 1.206.430 € 2,77x 10,7 %
15 Ein großer Ohne Fremdkapital Erst wachsen 1.135.000 € 2 2.999.356 € 2,64x 10,2 %
16 Ein kleiner Ohne Fremdkapital Erst wachsen 570.000 € 2 1.443.510 € 2,53x 9,7 %
17 Ein großer Ohne Fremdkapital Erst entschulden 1.135.000 € 1 2.838.631 € 2,50x 9,6 %
18 Ein kleiner Ohne Fremdkapital Erst entschulden 570.000 € 1 1.378.222 € 2,42x 9,2 %

Stand: August 2026, Schätzung von Hamnett Enterprises GmbH aus unserem Planungsmodell. Wert Jahr 10 ist der Wert der Betriebe zum Einstandsmultiplikator plus Kasse minus Restschuld. Kein Zielbetrieb ist geprüft, alle Gewinne und Multiplikatoren sind Planwerte aus Branchenbändern.

Drei Lesarten der Tabelle.

Die sechs bankfinanzierten Zeilen stehen alle unter den ersten sieben und sind zugleich die sechs günstigsten Einstiege, und das gilt genau so weit, wie die Bürgschaftsannahmen weiter unten halten.

Die Zeilen ohne Fremdkapital stehen beim Vielfachen zuletzt und beim absoluten Wert zuerst. Zeile 9 baut mit 1.290.000 € ein Vermögen von 4.979.868 € auf, Zeile 1 kommt mit 450.000 € auf 3.639.005 €. Beide besitzen am Ende dieselben acht Betriebe mit denselben 1.032.560 € Jahresgewinn. Die Bankroute bindet 840.000 € weniger und verzichtet dafür auf 1.340.863 € Wert im Jahr zehn, weil ein Teil des Ertrags an den Kreditgeber geht.

Was knapp ist, entscheidet. Ist das Geld knapp, und 400.000 € sind nahe an dem, was man sicher binden kann, ist die Bankroute richtig, weil sie mit einem Drittel des Kapitals am selben Ort ankommt. Sind die Gelegenheiten knapp, weil das Geld da ist, aber nur wenige gute Betriebe und nur so viel Aufmerksamkeit des Käufers, dann hat die gesparte Summe nichts zu tun, und der Weg ohne Fremdkapital baut mehr Wert, ohne Kreditgeber und ohne persönliche Bürgschaft. Mehr Kapital als nötig hilft auf keinem Weg: Oberhalb von etwa 300.000 € bis 450.000 € kauft zusätzliches Geld auf dem ersten Weg nichts mehr, weil zwei Käufe pro Jahr und acht Betriebe die Grenze setzen.

Warum die Größe des Betriebs keine Rolle spielt

Die Kapitaldienstfähigkeit ist die Kennzahl, mit der eine Bank einen Kredit prüft: der Gewinn eines Jahres geteilt durch Zins und Tilgung desselben Jahres. Ein Wert von 1,30 heißt, der Betrieb verdient 1,30 € je 1,00 € Kapitaldienst, also 30 % Polster. Unser eigener Boden liegt bei 1,30 in einem normalen Jahr und 1,00 in einem schlechten.

Drei Gleichungen machen die Kennzahl vorhersagbar. Der Kaufpreis ist der Gewinn mal dem Multiplikator. Der Kapitaldienst ist ein fester Anteil des Kaufpreises, weil jede Schicht des Stacks als Prozentsatz des Preises vereinbart wird. Also ist die Kapitaldienstfähigkeit der Gewinn geteilt durch (Gewinn mal Multiplikator mal Anteil), und der Gewinn kürzt sich heraus. Übrig bleibt eins geteilt durch (Multiplikator mal Anteil). Die Größe des Betriebs kommt in der Formel nicht mehr vor.

Ein Zahlenbeispiel mit dem vollen Stack. Das Verkäuferdarlehen von 30 % des Preises läuft über sechs Jahre zu 5 %: 5,0 % Tilgung plus 1,5 % Zins. Der Bankkredit von 50 % läuft über acht Jahre zu 7,76 %, dazu 1,5 % Bürgschaftsprovision auf die verbürgten 80 %: 6,25 % Tilgung plus 3,88 % Zins plus 0,6 % Provision. Zusammen 17,2 % des Kaufpreises im ersten Jahr, dem teuersten, weil hier die Restschuld am höchsten ist. Beim 3,5-Fachen ergibt das 1 geteilt durch (3,5 mal 0,172), also 1,66. Beim 4,5-Fachen sind es 1,29, knapp unter dem Boden. Der höchste Multiplikator, den dieser Stack mit 1,30 trägt, liegt bei 4,48.

Am Betrieb für 350.000 € sieht das so aus: 60.200 € Kapitaldienst gegen 100.000 € Gewinn, also 1,66. Der doppelt so große Betrieb kostet 700.000 €, trägt 120.400 € Kapitaldienst gegen 200.000 € Gewinn, wieder 1,66. Ein Kauf, der an der Kapitaldienstfähigkeit scheitert, scheitert in jeder Größe. Nach einer kleineren Ausgabe desselben Betriebs zu suchen, bringt nichts, weil die Schulden genauso schnell schrumpfen wie der Gewinn. Die einzigen zwei Stellschrauben sind ein niedrigerer Multiplikator für denselben Gewinn oder weniger Fremdkapital.

Die Konvention ist die strenge: lineare Tilgung, Zins auf den Anfangssaldo, EBITDA vor Ersatzinvestitionen. Mit einer Annuität, also gleichbleibenden Raten, steigt die Obergrenze auf etwa das 6,35-Fache, und welche Konvention die Hausbank verwendet, gehört ins erste Gespräch.

Das Verkäuferdarlehen: 3.500 € je Prozentpunkt

Ein Verkäuferdarlehen ist der Teil des Kaufpreises, den der abgebende Inhaber stehen lässt und über einige Jahre aus den Gewinnen des Betriebs zurückbekommt. Es ist in deutschen Nachfolgen üblich, es trägt einen Rangrücktritt (der Verkäufer wird erst nach der Bank bedient, wenn etwas schiefgeht), und genau dieser Rangrücktritt macht es für die Bank so wertvoll: Aus ihrer Sicht ist es fast Eigenkapital.

Die Rechnung ist einfach. Auf einem Betrieb für 350.000 € ersetzt jeder Prozentpunkt Verkäuferdarlehen 3.500 € eigenes Geld, bei drei Betrieben 10.500 € je Punkt. Der erste Weg der Tabelle braucht 450.000 € und verfehlt die 400.000 € des Käufers um 50.000 €. Steigt das Verkäuferdarlehen von 30 % auf 34,5 %, ist die Lücke geschlossen. Den Verkäufer nach oben zu verhandeln, kostet nichts, ist bei jedem Kauf verfügbar und bringt mehr je Stunde als jede Kapitalsuche.

Wo das übliche Band liegt, ist eine Frage der Quelle. Eine Praxisdarstellung eines M&A-Beraters vom Januar 2024 nennt 10 % bis 20 % des Kaufpreises, drei bis fünf Jahre Laufzeit, 3 % bis 5 % Zins und immer Nachrang zur Bank. Unser Planungsband liegt bei 20 % bis 50 %, mit 30 % als Basis, sechs Jahren Laufzeit und 5 % Zins. Die 5 % sind unsere Annahme, weil es keinen öffentlichen Index gibt. Ein Verkäuferdarlehen an der Obergrenze bei jedem Kauf wäre eine Ecke, kein Plan, deshalb rechnet das Modell mit 30 %.

Warum Verkäufer mitgehen, steht in den Nachfolgezahlen: KfW Research zählt bis Ende 2029 rund 109.000 geplante Übergaben und rund 114.000 geplante Schließungen pro Jahr, bei einer durchschnittlichen Kaufpreisvorstellung von 499.000 € (Stand 9. Januar 2026). Ein Inhaber mit dieser Vorstellung und ohne Käufer in Sicht hat einen Grund, einen Teil des Preises selbst zu finanzieren.

Die Instrumente in Deutschland und Hessen, Stand 25. August 2026

Jede Zahl in dieser Tabelle wurde heute auf der Seite des jeweiligen Instituts nachgelesen. Zinsen ändern sich monatlich, deshalb vor jeder Zusage neu ziehen.

Instrument Betrag und Grenze Wer beantragt Bedingung, die zuerst greift
KfW ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) bis 500.000 € je Antragsteller, höchstens 35 % der förderfähigen Kosten, 10 oder 15 Jahre natürliche Personen, die die Geschäftsführung übernehmen, über die Hausbank persönliche Haftung ist Voraussetzung, 100 % Garantie einer Bürgschaftsbank, eine GmbH kann nicht beantragen
KfW ERP-Förderkredit KMU (365/366) bis 25 Mio. €, 5 bis 20 Jahre, bis 3 tilgungsfreie Jahre KMU, ausdrücklich auch eine operative Holding, eine nicht operative Holding nur für den Anteilserwerb, über die Hausbank Variante 366 mit 50 % Haftungsfreistellung erst ab 2 vollständigen Geschäftsjahren mit Jahresabschluss
Bürgschaftsbank Hessen, klassische Bürgschaft bis 2 Mio. €, bis 80 % der Kreditsumme bei Investitionen die Hausbank, gemeinsam mit dem Unternehmen 1,5 % einmalig und 1,5 % p. a. auf den verbürgten Betrag, jeweils zzgl. MwSt., keine Sanierung, keine Umschuldung
Bürgschaftsbank Hessen, Express-Bürgschaft bis 300.000 € Kreditsumme, 60 % Quote, Zusage in der Regel nach 3 bis 5 Arbeitstagen die Hausbank Unternehmen seit mindestens 3 Jahren, positives Eigenkapital, mindestens 1 € Gewinn
Bürgschaftsbank Hessen, Bürgschaft ohne Bank Fremdkapitalbedarf bis 450.000 €, bei Nachfolgen bis 650.000 €, bis 80 % bei Investitionen das Unternehmen direkt, ohne Bank erst die Bürgschaftszusage, dann die Bank, keine Sanierung, keine Umschuldung, kein negatives Eigenkapital
WIBank Kapital für Kleinunternehmen 25.000 € bis 150.000 € Nachrangdarlehen, 7 Jahre, 1 tilgungsfreies Jahr, 7,62 % p. a. (Stand 1. August 2026) Kleinunternehmen mit Sitz in Hessen, bis 25 Beschäftigte, bis 5 Mio. € Umsatz, über die Hausbank der Übernahmepreis ist nicht finanzierbar, die Hausbank gibt mindestens 50 % obendrauf, Antrag bis 31. Dezember 2026
MBG H, stille Beteiligung 100.000 € bis 1,5 Mio. € im Wachstumsprogramm, 5.000 € bis 100.000 € im Mikromezzanin das Unternehmen direkt Übernahmen und Nachfolgeregelungen ausdrücklich im Programm, Konditionen je Fall

Stand: 25. August 2026, nachgelesen auf kfw.de, bb-h.de, wibank.de und mbg-hessen.de. Zinsen und Fristen vor jeder Zusage erneut prüfen.

Die Nummer 077 ist der Kredit, den jeder zuerst nennt, und für eine GmbH als Käuferin steht er nicht offen. Das Merkblatt (Stand 10. Dezember 2025) lässt natürliche Personen zu, verlangt die persönliche Haftung des Antragstellers und schließt den reinen Anteilserwerb als Finanzinvestition aus. Dazu bindet die Grenze von 35 % der förderfähigen Kosten lange vor den 500.000 €: Auf einem Betrieb für 350.000 € sind das rund 122.000 €. Wer über eine Holding kauft, nimmt 365/366. Die KfW lässt eine operative Holding, die in das Tagesgeschäft ihrer Töchter eingreift, ausdrücklich zu, und eine nicht operative Holding für den Erwerb von Unternehmensanteilen. Die 50 % Haftungsfreistellung der Variante 366, mit der die KfW die Hälfte des Ausfallrisikos von der Hausbank nimmt, setzt zwei vollständige Geschäftsjahre mit Jahresabschluss voraus. Ein frisches Kaufvehikel hat die nicht, die Holding dahinter vielleicht schon. Welche Gesellschaft Kreditnehmerin wird, ist deshalb zuerst eine Steuerberaterfrage.

Die Bürgschaft ohne Bank ist das einzige Instrument in der Tabelle, das ohne bestehende Bankbeziehung beginnt. Das Unternehmen wendet sich direkt an die Bürgschaftsbank Hessen, die prüft den Plan, und wenn er trägt, gibt es die Bürgschaftszusage. Mit dieser Zusage geht der Käufer zu Banken und Sparkassen, und der größte Teil des Risikos gehört dann schon jemand anderem. Die Bürgschaftsbank Hessen meldete für 2025 ein Rekordvolumen von 90,2 Mio. € neuer Bürgschaften und Garantien, davon rund 55 % für Unternehmensnachfolgen, bei einer Ausfallquote von 1,8 % (Mitteilung vom 9. Februar 2026). Zwei Punkte bleiben offen: Die Seite nennt einen „Fremdkapitalbedarf bis 650.000 €“ bei Nachfolgen, was sich wie eine Grenze für das gesamte Fremdkapital liest, die Bürgschaft eingeschlossen, und welche Stufe ein frisch gegründetes Kaufvehikel bekommt, steht dort nicht. Die Gebühren sind real: Bei einem Kredit von 500.000 € mit 400.000 € Bürgschaft sind es 6.000 € zzgl. MwSt. einmalig und 6.000 € zzgl. MwSt. pro Jahr. Und eine Bürgschaft ist kein Geld, eine Bank muss den Kredit trotzdem geben.

Die WIBank, die Förderbank des Landes Hessen, finanziert den Kaufpreis selbst nicht. Ihr Programm Kapital für Kleinunternehmen schließt laut Merkblatt (Stand 1. Januar 2025) den Übernahmepreis und die Ablösung von Altverbindlichkeiten des Abgebenden ausdrücklich aus. Es dient dem übernommenen Betrieb nach dem Kauf: 25.000 € bis 150.000 € Nachrangdarlehen ohne bankübliche Sicherheiten, die eine Bank als wirtschaftliches Eigenkapital zählt, sofern der Betrieb mindestens drei Jahre alt ist, in Hessen sitzt und die Hausbank mindestens die Hälfte des Betrags im eigenen Risiko dazugibt. Anträge müssen bis 31. Dezember 2026 vorliegen, der Zins liegt bei 7,62 % p. a. (Stand 1. August 2026). Die kostenlose Förderberatung der WIBank für Südhessen ist der günstigste Termin in der ganzen Liste, weil sie die Programme von Bund und Land in einem Gespräch abgleicht.

Die MBG H, die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Hessen, schließt die Lücke, wenn der Kaufpreis das Eigenkapital übersteigt und der Verkäufer nicht weiter mitgeht. Eine stille Beteiligung ist Kapital, das in der Bilanz wie Eigenkapital zählt, ohne Stimmrecht und ohne Abgabe von Anteilen. Übernahmen und Nachfolgeregelungen stehen ausdrücklich im Wachstumsprogramm.

Ein Kaufpreis von 1,5 Mio. € in drei Schichten

Das Modell oben endet bei 990.000 €. Für den Fall, dass ein größerer Betrieb im Rhein-Main-Gebiet auf den Tisch kommt, hier der Aufbau, den eine Bank finanziert: eine GmbH für 1,5 Mio. €, geführt von einem eingesetzten Geschäftsführer, mit 330.000 € normalisiertem Betriebsgewinn nach dessen Marktgehalt, also etwa das 4,5-Fache.

Schicht Betrag Anteil Laufzeit
Eigenkapital des Käufers 500.000 € 33 %
Verkäuferdarlehen, nachrangig 400.000 € 27 % etwa 6 Jahre
KfW-Kredit über die Hausbank (365/366) 600.000 € 40 % etwa 10 Jahre
Gesamt 1.500.000 € 100 %

Stand: August 2026, unsere Schätzung, illustrativ. Jede Zahl bewegt sich mit dem tatsächlichen Bankzins, den Konditionen des Verkäufers und der Steuerposition des Kaufvehikels.

Trägt der Cashflow das? Nach Ersatzinvestitionen und Steuern bleiben etwa 224.000 € im Jahr für den Kapitaldienst. Bank und Verkäufer zusammen wollen etwa 154.000 €. Das ergibt eine Kapitaldienstfähigkeit von etwa 1,45 auf die gesamte Schuld, über dem Boden von 1,30. Weil das Verkäuferdarlehen hinter der Bank steht, rechnet die Bank für ihre eigene Schicht mit etwa 2,9, und genau deshalb finanziert sie diese Form. Der Betriebsgewinn kann um 10 % bis 12 % fallen, bevor die gesamte Kennzahl den Boden berührt.

Die Zinsleiter: 334 Basispunkte zwischen der ersten und der letzten Sprosse

Der Zins, den ein Käufer heute bekommt, ist der schlechteste, den er je bekommen wird. Die Hausbank ordnet jeden Kreditnehmer aus Bonität und Sicherheiten in eine Preisklasse ein, und die KfW veröffentlicht je Klasse einen Effektivzins. Ein Käufer ohne Bilanzhistorie landet realistisch in den Klassen D bis F. Die Leiter unten ist unsere Schätzung, verankert an den Effektivzinsen des KfW-Konditionenanzeigers vom 24. August 2026 (Laufzeit 10 Jahre, 2 tilgungsfreie Jahre, Zinsbindung 10 Jahre).

Sprosse Erreicht, wenn Zins (unsere Schätzung) Anker im Konditionenanzeiger Kreditrahmen Persönliche Bürgschaft
0. Keine Historie heute 7,76 % 077, Preisklasse F nur bis zur Bürgschaftsgrenze erforderlich
1. Bilanzen und Tilgung 2 saubere Jahre 6,39 % 077, Preisklasse D etwa 2,0x Konzern-EBITDA erforderlich
2. Etabliert 4 saubere Jahre, 250.000 € EBITDA 5,67 % 365, Preisklasse D etwa 2,75x verhandelbar
3. Beziehungskunde 6 saubere Jahre, 500.000 € EBITDA 4,42 % 365, Preisklasse A etwa 3,25x nicht erforderlich

Stand: 24. August 2026 für die Ankerzinsen (KfW-Konditionenanzeiger, Effektivzins, Normalgebiet). Die Zuordnung zu Sprossen, die Kreditrahmen und die Bürgschaftsspalte sind unsere Schätzungen aus Programmbedingungen und Bankpraxis, keine Zusage einer Bank.

Zwischen der obersten und der untersten Sprosse liegen 334 Basispunkte und der Unterschied zwischen einer zwingenden persönlichen Bürgschaft und keiner. Die zwei vollständigen Geschäftsjahre der Sprosse 1 sind dieselben, die die KfW für die Haftungsfreistellung der Variante 366 verlangt. Wer Sprosse 2 früher erreicht, kauft die späteren Betriebe billiger und größer, und das ist der größte Teil des Grundes, warum „erst wachsen“ in der Tabelle „erst entschulden“ schlägt. Die erste Sprosse besteht aus Papier: eingereichte Jahresabschlüsse, ein sauberes Bankprofil, eine datierte Vermögensaufstellung, eine Bonitätsauskunft. Nichts davon braucht eine Entscheidung, alles davon braucht Kalenderzeit.

Die Kredithürde: 40,5 % im zweiten Quartal 2026

Die KfW-ifo-Kredithürde misst den Anteil der Unternehmen, die in Kreditverhandlungen der letzten drei Monate das Verhalten ihrer Bank als restriktiv bezeichnen. Im zweiten Quartal 2026 waren es 40,5 % der mittelständischen Unternehmen, der höchste Wert seit Beginn der Reihe 2017 und 6,5 Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Bei Großunternehmen waren es 32,9 %. Nur 19,3 % der Mittelständler führten überhaupt Kreditverhandlungen. Im Einzelhandel lag der Anteil in beiden Größenklassen über 50 %, bei Dienstleistern bei 42,4 % (KfW Research, Mitteilung vom 7. Juli 2026, die zum Redaktionsschluss jüngste Ausgabe).

Was das ändert: Die Toleranz für eine dünne Akte ist weg. In einem leichten Markt füllt ein Banker Lücken für einen Kunden, den er mag. Bei einem Rekordwert beendet ein fehlender Jahresabschluss das Gespräch. Die Preisklasse rutscht für einen Erstkäufer eher nach E bis F, also 7,02 % bis 7,76 % auf 077 und 6,30 % bis 7,03 % auf 365. Und zu den sechs bis neun Monaten von der ersten Vorstellung bis zu einer Bank, die auf einen Kauf reagiert, kommt ein Quartal dazu.

Was das nicht ändert: Die geförderten Instrumente sind antizyklisch gebaut. Die 100 % Garantie hinter 077, die 50 % Haftungsfreistellung hinter 366 und die 80 % einer klassischen Bürgschaft nehmen der Bank genau das Risiko ab, vor dem sie sich gerade fürchtet, und ein restriktiver Markt schiebt Käufe in diese Instrumente hinein. Eine Vorstellung verbraucht keinen Kreditrahmen und beschäftigt keinen Ausschuss, deshalb ist ein restriktives Quartal für die erste Vorstellung geeignet.

Wo das Gehalt gezahlt wird

Wer alle Gesellschaften allein besitzt, entscheidet, auf welchem Weg Geld die Gruppe verlässt. Die Frage im Modell: Was muss die Gruppe vor Steuern verdienen, damit 50.000 € im Jahr beim Inhaber ankommen?

Zwei Begriffe vorab. § 8b KStG ist die Regel, nach der Gewinne, die eine Tochter an ihre Muttergesellschaft ausschüttet, bei der Mutter außer Ansatz bleiben, wobei 5 % davon als nicht abziehbare Betriebsausgaben gelten. In der Praxis kommen 95 % steuerfrei an, und rund 1,5 % gehen verloren. Die Abgeltungsteuer ist der pauschale Satz von 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 %, den eine Privatperson auf Ausschüttungen zahlt. Das Teileinkünfteverfahren ist die Alternative: Nur 60 % der Ausschüttung werden besteuert, dafür mit dem persönlichen Steuersatz.

Weg Die Gruppe muss verdienen Steuern gesamt Belastung
Gehalt aus der Betriebsgesellschaft 98.760 € 48.760 € 49,4 %
Ausschüttung, Abgeltungsteuer 101.391 € 51.391 € 50,7 %
Ausschüttung, Teileinkünfteverfahren 101.682 € 51.682 € 50,8 %
Gehalt aus der Holding 147.447 € 97.447 € 66,1 %
Geld in der Holding lassen 74.649 € 24.649 € 33,0 %, aufgeschoben

Stand: August 2026, unsere Schätzung aus dem Planungsmodell mit einem Gesamtsteuersatz von rund 32 % auf Ebene der Betriebsgesellschaft. Die Belastung hängt vom Gewerbesteuer-Hebesatz der Gemeinde, vom persönlichen Steuersatz und von der Sozialversicherungsstellung des Geschäftsführers ab. Diese Tabelle ersetzt keine Berechnung des Steuerberaters für den konkreten Fall.

Wo ein Gehalt gezahlt wird, zählt mehr als ob. Aus der Betriebsgesellschaft ist es der günstigste Weg, knapp vor der Ausschüttung. Aus der Holding ist es mit Abstand der teuerste, weil das Einkommen der Holding zu 95 % steuerfrei ist und ein dort abgezogenes Gehalt gegen fast nichts gerechnet wird. Dieselben 50.000 € kosten 48.760 € Steuern auf dem einen Weg und 97.447 € auf dem anderen. Geld in der Holding zu lassen, ist am günstigsten, weil nichts privat entnommen wurde und deshalb keine private Steuer fällig ist. Ein Geschäftsführergehalt muss zudem fremdüblich sein, sonst behandelt das Finanzamt den Überschuss als verdeckte Gewinnausschüttung. Alles in diesem Abschnitt geht vor der ersten Zahlung zum Steuerberater.

Was das für Sie bedeutet

Für Käufer:

  • Rechnen Sie den Kapitaldienst als Anteil des Kaufpreises, bevor Sie einen Betrieb anschauen. Bei 17,2 % im vollen Stack trägt ein Boden von 1,30 höchstens das 4,48-Fache. Ein Betrieb darüber ist ein Eigenkapitalkauf oder kein Kauf.
  • Verhandeln Sie das Verkäuferdarlehen, bevor Sie Kapital suchen. Auf 350.000 € ist jeder Prozentpunkt 3.500 € wert.
  • Entscheiden Sie mit dem Steuerberater, wer Kreditnehmer wird, bevor Sie eine Bank ansprechen. 077 verlangt eine Person mit persönlicher Haftung, 365/366 nimmt eine operative Holding, und die 50 % Haftungsfreistellung braucht zwei Jahresabschlüsse.
  • Wir bauen für einen Kauf das Akquisitionsmodell mit drei Finanzierungsvarianten und Kapitaldienstfähigkeit in jeder, ab 3.900 € netto: Finanzmodellierung. Den bankfähigen Businessplan dazu gibt es ab 2.900 €: Businesspläne.

Für Verkäufer:

  • Ein Käufer, der nach einem Verkäuferdarlehen fragt, bietet Ihnen Zins und einen Käufer, der die Bank überzeugen kann. Bei 30 % auf 350.000 € finanzieren Sie 105.000 € über sechs Jahre.
  • Drei saubere Jahresabschlüsse und eine Bilanz ohne negatives Eigenkapital sind die Eintrittskarte in jede Bürgschaft. Ohne sie fällt die Express-Bürgschaft weg und die Bürgschaft ohne Bank wird schwer.
  • Wenn Sie an einen dauerhaften Eigentümer in Rhein-Main verkaufen wollen, steht unser Kaufprofil mit Kaufpreisen von 300.000 € bis 1 Mio. € hier: Unternehmenskauf.

Für Steuerberater und Bankberater:

  • Die Kürzungsregel aus dem Abschnitt zur Kapitaldienstfähigkeit spart die zweite Sitzung: Der Multiplikator und die Fremdkapitalmischung entscheiden, die Betriebsgröße nicht.
  • Die Frage, wo die Akquisitionsschuld sitzt, ändert jede gehebelte Rendite. Zins beim Zielbetrieb schirmt Gewinn bei rund 32 % ab, Zins bei der Holding trifft Einkommen, das zu 95 % steuerfrei ist.

Wo wir falsch liegen könnten

  • Wenn die Bürgschaftsbank Hessen die 650.000 € als Grenze für das gesamte Fremdkapital liest und ein frisches Kaufvehikel in die Stufe von 450.000 € einordnet, deckt die Bürgschaft ohne Bank nur noch Betriebe bis etwa 600.000 € Kaufpreis, und der größere Betrieb mit Bank (Zeilen 3 und 4) funktioniert nicht mehr.
  • Wenn ein Verkäuferdarlehen von 30 % dreimal hintereinander nicht zu bekommen ist und das Band bei 20 % endet, steigt der Kapitalbedarf des ersten Wegs von 450.000 € auf 555.000 €, und die Lücke zu 400.000 € lässt sich nicht mehr verhandeln.
  • Wenn der wahre Deckel für einen einzelnen Käufer bei vier statt acht Betrieben liegt, halbiert sich das Vielfache des ersten Wegs ungefähr, und der Weg ohne Fremdkapital verliert seinen Vorsprung beim absoluten Wert.
  • Wenn die Kapitaldienstfähigkeit des großen Betriebs mit Bank in einem schlechten Jahr unter 1,04 fällt, was bei einem Gewinnrückgang von mehr als 20 % passiert, kippt die dünnste Zeile der Tabelle zuerst.

Häufige Fragen

Wie hoch ist ein Verkäuferdarlehen üblicherweise?

Die veröffentlichte Praxisspanne liegt bei 10 % bis 20 % des Kaufpreises, unser Planungsband bei 20 % bis 50 % mit 30 % als Basis. Eine Praxisdarstellung vom Januar 2024 nennt drei bis fünf Jahre Laufzeit, 3 % bis 5 % Zins und immer einen Rangrücktritt hinter der Bank. Wir rechnen mit sechs Jahren und 5 %, wobei die 5 % unsere Annahme sind. Je höher der Anteil, desto mehr eigenes Geld bleibt beim Käufer: Auf einem Betrieb für 350.000 € ersetzt jeder Prozentpunkt 3.500 €.

Kann eine GmbH den KfW-Kredit 077 nutzen?

Nein. Das Merkblatt zum ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (Stand 10. Dezember 2025) lässt natürliche Personen zu, die eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit ausüben oder aufnehmen, und verlangt die persönliche Haftung des Antragstellers. Der reine Anteilserwerb als Finanzinvestition ist ausgeschlossen. Eine GmbH oder Holding nimmt stattdessen den ERP-Förderkredit KMU (365/366), der eine operative Holding ausdrücklich zulässt. Für die 50 % Haftungsfreistellung der Variante 366 braucht sie zwei vollständige Geschäftsjahre mit Jahresabschluss.

Welche Kapitaldienstfähigkeit will die Bank sehen?

Unser eigener Boden liegt bei 1,30 in einem normalen Jahr und 1,00 in einem schlechten, und die Bank rechnet auf ihre eigene, vorrangige Schicht. Im Beispiel mit 1,5 Mio. € Kaufpreis liegt die Kennzahl auf die gesamte Schuld bei etwa 1,45 und auf den Bankkredit allein bei etwa 2,9, weil das Verkäuferdarlehen dahinter steht. Welche Konvention die Bank nutzt (lineare Tilgung oder Annuität, EBITDA vor oder nach Ersatzinvestitionen), verschiebt die tragbare Obergrenze zwischen dem 4,48-Fachen und etwa dem 6,35-Fachen. Fragen Sie im ersten Gespräch danach.

Ist Gehalt oder Ausschüttung günstiger?

Im Modell ist ein Gehalt aus der Betriebsgesellschaft mit 49,4 % Gesamtbelastung knapp günstiger als eine Ausschüttung mit 50,7 % über die Abgeltungsteuer. Ein Gehalt aus der Holding kostet 66,1 %, weil ihr Einkommen zu 95 % steuerfrei ist und der Abzug ins Leere läuft. Geld in der Holding zu lassen, kostet 33,0 % und schiebt den Rest auf. Das sind unsere Schätzungen, die vom Hebesatz, vom persönlichen Steuersatz und von der Fremdüblichkeit des Gehalts abhängen, und der Steuerberater rechnet den konkreten Fall.

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Quellen

Nichts hier ist Rechts- oder Steuerberatung. Steuerberater und Anwalt entscheiden, bevor etwas bindend wird.

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